Auf dieser Seite möchte ich Ihnen als Kostprobe nach und nach einige Gedichte,

Geschichten, Lieder und Reime aus meinen Büchern sowie aus bislang nicht

veröffentlichten Texten, die natürlich alle urheberrechtlich geschützt sind,

vorstellen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf Gedanken achten

 

 

Achte auf Deine Gedanken,

denn sie werden Worte.
Achte auf Deine Worte,

denn sie werden Handlungen.
Achte auf Deine Handlungen,

denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf Deine Gewohnheiten,

denn sie werden Dein Charakter.
Achte auf Deinen Charakter,

denn er wird Dein Schicksal.

 

Quelle: Neues Buch

 

 

 

 

 

 

Futterneid

 

 

Das Beobachten von Tieren kann durchaus zu neuen Erkenntnissen führen. Man wird schließlich klü-ger und das kann ja nicht schaden, oder? Egal, ob es in Zoologischen Gärten in gebührendem Abstand geschieht oder im Fernsehen durch zahlreiche Dokusoaps aus Tiergehegen. Was sich da so alles bei "Elefant, Tiger und Co.", "Nashorn, Zebra und Co.", "Giraffe, Erdmännchen und Co.", "Panda und Co.", "Leopard, Seebär und Co." tummelt! Sollte ich eine Sendung übersehen haben, in der Tierpfleger ihre Schützlinge vorstellen und ihnen sogar zärtliche Kosenamen geben? Diese TV-Formate kommen hof-fentlich dem Tierwohl zugute, wecken Verständnis für manch’ bedrohte Tierart und sind darüber hin-aus lehrreich für Groß und Klein.

 

Welche Tiere im Zoo stehen uns Menschen am nächsten? Klar, die Primaten, die höchstentwickelten Säugetiere, aus denen wir Menschen hervorgegangen sind. Bei "Wer weiß denn so was?", einem ande-ren TV-Format, hätten Sie jetzt mit Ihrem Wissen gepunktet! Auch ohne Verhaltensforscher zu sein, lassen sich beim Betrachten von Affen Parallelen zwischen Mensch und Tier erkennen. Ich spreche von Schimpansen, Menschenaffen, die uns auch genetisch sehr ähnlich sind. Sie werden im Zoo an be-stimmten Tagen zusätzlich mit leckeren Sachen verwöhnt. Dazu gehören Obst- und Gemüsesorten, auch schon mal der eine oder andere Keks, der mittels Honig an Ästen angeklebt und zwischen Baum-nischen versteckt wird. Das Suchen gehört zur Beschäftigungstherapie, denn Langeweile ist auf Dauer auch für Affen tödlich.

 

Was machte die Affenbande, als sie nach dem Verstecken des Futters durch Tierpfleger ins Gehege ge-lassen wurde? Logisch, alle stürzten sich aufs Fressen, bevorzugten die Leckereien! Kauen war nicht angesagt, denn es sollte schnell gehen, um nicht zu kurz zu kommen. Die Backen, pardon die Wangen, wurden so voll gestopft, dass nichts mehr rein passte. Erst dann suchte man sich ein stilles Plätzchen zum Kauen und Runterschlucken. Man darf hier durchaus von Futterneid sprechen, mit Genuss hat das nichts zu tun. Kennen Sie auch Jemanden, der sich so verhält? Der den Inhalt des Getränkebe- chers hinunterstürzt und das Essen verschlingt, als wenn es die letzte Henkersmahlzeit wäre? Ich kann schweigen wie ein Grab! Sie doch auch, oder?

 

Quelle: Neues Buch

 

 

 

 

 

 

Kindersoldaten

 

 

Um sämtliche Zukunftsaufgaben zu bewältigen, wird Nachwuchs dringend benötigt, sagen zumindest unsere Politiker. Und die müssen es ja wissen. Auch das Militär hat seit dem Aussetzen der Wehr-pflicht damit zu kämpfen, genügend freiwillige Rekruten für den Dienst in der Bundeswehrtruppe zu finden und auszubilden. Es herrscht Materialermüdung, eine Rund-um-Erneuerung werde gebraucht, auch die Truppe sei überaltert und bedarf schnellstens einer Verjüngungskur.

 

Was also tun? Wie bereits in allen anderen Lebensbereichen wird laut getrommelt und geworben, um sich Gehör zu verschaffen und Aufmerksamkeit zu erringen. In sozialen Netzwerken, aber auch mit eigenen PR-Kampagnen, die zig Millionen Euro verschlingen, wir haben’s ja, wird seitens des Verteidi-gungsministeriums um Rekruten geworben. Und wo lässt sich am besten ´Beute` fassen? Nicht bei den mit allen Wassern gewaschenen, abgeklärten und kritischen älteren Semestern, den alten Hasen und Häsinnen, die wissen, wo der Pfeffer wächst. Denen kann man nichts mehr vormachen. Das Beu-teschema sind die Greenhorns, junge Leute, unbedarft und blauäugig. Sie fallen leichter auf Verspre-chungen im Hochglanzformat rein. Ihnen wird unter anderem eine Art Familienersatz, Corpsgeist bei der Truppe vorgegaukelt, den es in Wirklichkeit nicht gibt. Und sobald diese Jugendlichen volljährig sind, werden sie in Auslandseinsätze geschickt. Seit siebenundzwanzig Jahren gab es davon bisher zweiundfünfzig mit über vierhunderttausend Soldaten! Um noch eine weitere Zahl zu nennen: Über einhundert von ihnen fanden bei diesen Einsätzen, wie in Afghanistan und Mali, den Tod. Man er-wähnt nicht gern von offizieller Seite, dass es sich bei diesen jungen Menschen vorwiegend um sozial Schwache aus Ostdeutschland und Aussiedlerkinder handelt. Auslandseinsätze sind gefährlich und kein Abenteuerurlaub mit Nervenkitzel!

 

Laut Aussage des Verteidigungsministeriums und nach ´Uschi’s Rekrutenoffensive` hat sich seit sie-ben Jahren die Zahl der minderjährigen Rekruten verdreifacht, die Anzahl der weiblichen Soldatinnen sogar verachtfacht. Auch nach einer halbjährigen Probezeit seien viele der knapp 2.200 Rekruten noch nicht mal volljährig gewesen, heißt es. Es gibt eine UN-Kinderrechtskonvention, bei der auch Deutsch-land schon den Vorsitz hatte, die besagt, dass die Volljährigkeitsregel von achtzehn Jahren bei der Anwerbung zum Militär eingehalten werden sollte.

 

Deutschland zeigt sich unglaubwürdig, wenn es dagegen verstößt und sogar andere Länder kritisiert, die Kindersoldaten für militärische Zwecke rekrutieren. Wer im Glasdach sitzt, sollte also besser nicht mit Steinen werfen! Dieses Vorgehen zur Nachwuchsgewinnung bei der Bundeswehr sollte, wie über-all auf der Welt, angeprangert und geächtet werden. Minderjährige brauchen unseren besonderen Schutz und eine Hilfestellung bei der Eingliederung in die Gemeinschaft. Ihre Seelen werden noch früh genug in Mitleidenschaft gezogen, ohne dass es dazu des Militärs bedarf.

 

Uns ist es bisher nie gelungen, auch nur ein einziges Land durch Auslandseinsätze zu befrieden. Welche Schlussfolgerungen ließen sich daraus ziehen? Nicht überall Hahn im Korb sein zu wollen, die Backen dick aufzublasen, sich aufzuplustern und anderen Ratschläge geben zu müssen, würde unse-rem Ansehen in der Welt bestimmt nicht schaden. Die Großmannssucht mit dicken Eiern gab’s doch schon mal! Und wohin hat das geführt? Man sollte mal darüber nachdenken, es könnte nicht schaden. Wir hatten schon mal einen Friedensnobelpreisträger namens Willy Brandt.

 

Quelle: "Horizonte"

 

 

 

 

 

 

Leichtes Gepäck

 

 

Jeder hat zuhause Dinge,

die er nicht mehr braucht;

sie verstopfen die Schubladen,

werden drum gestaucht.

 

Dachböden und Kellerräume

sind gerammelt voll,

Sammellust wurd’ -frust und heute

fragt man: Was das soll?

 

Eisern wurde einst gespart,

um es anzuschaffen:

Geschirr, Vasen, Töpfe, Gläser,

teure Bleikaraffen.

 

Manches nutzte man ganz selten,

es wurde geschont

für besondere Anlässe,

wo sich Aufwand lohnt.

 

Auf Flohmärkten man erstand

manches Lieblingsstück,

doch mit nostalgischen Blicken

holt man nichts zurück.

 

Jungen Leuten sei geraten:

Schafft Euch wenig an,

denn wer sich mit Sachen zumüllt,

nicht mehr frei sein kann.

 

Ballast gilt es abzuwerfen,

das macht’s Leben leicht,

man fühlt sich viel unbeschwerter,

wenn man es erreicht.

 

Quelle: Neues Buch

 

 

 

 

 

 

Knast

 

 

Wie jüngst zu lesen war, ist die Zahl derer, die im hohen Alter von über siebzig Jahren straffällig wer-den, erheblich angestiegen. Was könnten die Gründe dafür sein? Die Altersarmut hat beispielsweise in den vergangenen Jahren um fünfzig Prozent zugenommen. Egal ob Drogendelikte, Bank- und Taschen-raub, Diebstähle jeder Art, Wohnungseinbrüche, wer im Alter geistig frisch und körperlich fit genug ist, kommt anscheinend auf abwegige Gedanken. Hilf Dir selbst, sonst hilft Dir keiner, denken sich Be-troffene und suchen nach Lösungen aus ausweglosen Lebenssituationen, senden Hilferufe, die das Umfeld und die Politik erkennen sollten.

 

Führt die zunehmende Verarmung ganzer Bevölkerungsschichten dazu, sich um ein Zubrot zu küm-mern? Es reicht inzwischen weder vorne noch hinten, um menschenwürdig und selbst bestimmt zu le-ben. Im Gegensatz zu anderen Tätern wollen diese Alten erwischt werden, verzichten auf strafmildern-de Umstände oder sogar Haftverschonung. Wer dann zu den glücklichen Insassen gehört, darf sogar ein Knast-Konzert mit Max Giesinger (Sie kennen Titel wie ´Und wenn sie tanzt` oder `Einer von acht-zig Millionen`) hautnah erleben! Eine klasse Idee!

 

Menschen, die einsam sind, um die sich keiner mehr kümmert, suchen im Knast, so traurig das auch klingen mag, Geborgenheit und menschliche Wärme, Zuneigung unter Gleichgesinnten, die es im wah-ren Leben außerhalb der Gefängnismauern für sie nicht mehr gibt. Wo bekommt man sonst seine Mahlzeiten regelmäßig vorgesetzt, die ärztliche Versorgung ist tags und nachts gesichert und kommt ins Haus, die Wege zu den Nachbarzellen sind nicht weit. Wer handwerkliche Fähigkeiten besitzt, kann in der knasteigenen Tischlerei Dinge reparieren oder Kinderspielzeug herstellen. Frauen legen auch gern in der Küche Hand an, das sind sie gewohnt, stricken Socken, basteln je nach Talent Ge-schenkartikel, die auf jährlich stattfindenden Basaren verkauft werden. Gemeinsam wird man durch Teamarbeit stärker, das ist alles, was zählt.

 

Kinder und Enkel haben die Knast-Omas und Knast-Opas längst abgeschrieben, denn man kann mit ihnen keinen Staat mehr machen. Oder im Gegenteil: Man findet sie besonders cool, weil sie sich be-harrlich weigerten, ausstehende Rechnungen zu begleichen, und stattdessen sich lieber einbuchten ließen. In den Familien braucht man sich schließlich um seine Alten nicht zu sorgen, denn sie sind hin-ter Gittern sicher und gut aufgehoben. Vater Staat kümmert sich fürsorglich, es ist eine weitere Varian-te des betreuten Wohnens. Neue Gefängnisse haben breitere Türen, die sogar Rollstuhlfahrern ein be-quemes Hindurchkommen ermöglichen. Waschräume und Zellen sind barrierefrei und behinderten-gerecht ausgestattet. Alles Dinge, die alte Menschen zu Hause nicht haben, weil ein Wohnungsumbau viel Geld verschlingt.

 

Bevor sie dort entmündigt werden, eine Pflegerin aus Fernost, die die deutsche Sprache nicht be-herrscht, auf sie aufpasst, das Pflegegeld der Pflegekasse kaum ausreicht, um die Bedürfnisse zu decken, ist ein Knastaufenthalt doch nicht das Schlechteste. Was meinen Sie? Wer allerdings als alter Mensch recht betucht ist, kann sich in den eigenen vier Wänden umsorgen oder bis zum letzten Atem-zug und der letzten Welle als Kreuzfahrer auf den Weltmeeren bedienen lassen.  

 

Quelle: "Horizonte"

 

 

 

 

 

 

Pferdeschwänze

 

 

Nichts Tierisches ist im Werbeblock gemeint, der dieser Tage im öffentlich-rechtlichen Fernsehen vor der Tagesschau ausgestrahlt wurde. ´Wir brauchen keine Eier, wir haben Pferdeschwänze!` heißt der Commerzbank-Spot des Werbepartners der Deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft, die im Juni 2019 in Frankreich die vierte Weltmeisterschaft anstrebte. Das pfiffig gemachte Video für den dreifa-chen Weltmeister, achtmaligen Europameister und Olympia-Sieger 2016 war danach in aller Munde! Selbstironisch und lässig scherzend wurde auf die fehlende Gleichbehandlung von Männern und Frauen im Profifußball hingewiesen. ´Namenlose` weibliche Fußballstars hielten die Gesichter in die Kameras, klagten nicht an, redeten jedoch Tacheles und sagten, wie es ist. Schließlich gab es nach dem ersten Titelgewinn ein Kaffeeservice pro Spielerin! Wenig originell und peinlich obendrein!

 

Langsam ist es an der Zeit, die Leistungen von Frauen in unserer Gesellschaft gleichberechtigt zu wür-digen, denn ohne sie wäre die Welt nicht nur ärmer, sie würde gar nicht existieren! Frauen sind im Sport kein billiger Männerabklatsch. Sie sollten daher nicht im Schatten der Männer, sondern selbst-bewusst und grandios ihre Frau stehen, denn bartlos heißt nicht torlos!

 

Quelle: "Spurensuche"

 

 

 

 

 

 

Reise in die Vergangenheit

 

 

Menschen brauchen genau wie Bäume Wurzeln, die tief im Erdreich verankert sind, um auf zwei Beinen standsicher zu stehen und den Stürmen des Lebens zu trotzen. Aus unseren Wurzeln saugen wir Kräfte und Lebenssäfte. Bäumchen werden Jahr für Jahr größer und stämmiger, kleine Zweige werden zu dicken Ästen, aus Knospen entwickeln sich Blätter und Blüten, Früchte sorgen mit ihren Samen für den Fortbestand künftiger Baumgenerationen. Staunend bewundern wir Baumriesen, die einige hundert Jahre alt sind und ihre Äste in den Himmel strecken, bevor sie langsam sterben.

 

Der Kreislauf des menschlichen Lebens umfasst die Zeitspanne von der Geburt bis hin zum Tod. Sind unsere Wurzeln gekappt, verkümmern wir oder tun uns schwer damit, neues Wurzelwerk zu bilden, wenn man uns in fremde Erde verpflanzt. Wer den Boden unter den Füßen verloren hat, ist quasi heimatlos. Jene, die unfreiwillig die Heimat verlassen mussten, wissen ein Klagelied davon zu singen. Sie haben ihre Wurzeln verloren und werden in einem für sie fremden Land aufgenommen, nicht mit offenen Armen, sondern notgedrungen, argwöhnisch oder gar feindselig beäugt. Die Rückkehr in die alte Heimat scheint in den meisten Fällen unmöglich, die Sehnsucht bleibt, die Erinnerung schmerzt und droht von Jahr zu Jahr mehr zu verblassen.

 

Warum erzähle ich das? Um zu verdeutlichen, welch Geschenk es ist, wenn es uns vergönnt ist, eine Reise in die Vergangenheit anzutreten, in das Haus der Kindheit und des sich geborgen Fühlens zurückkehren zu können, um es aufgeregt mit großen Augen zu besichtigen. Selbst wenn es von fremden Menschen bewohnt wird: Nur Mut, fragen kostet nichts! Wie war das eigentlich damals? Was hat sich verändert, als das Zuhause noch kein Bürogebäude war? In der Erinnerung sahen die Räume anders aus, nämlich viel, viel größer! Die alte Haustür zum Rosenwinkel hin ist geblieben, im Erd-geschoss fehlt die große Holz-Glastür. Der Eingang zur Schuhmacherwerkstatt wurde zugemauert, ty-pische Gerüche von damals nach Leder und Klebstoffen fehlen logischerweise. Büroräume brauchen einen anderen Zuschnitt, es riecht nach Akten und Computerausdünstungen. Ich vermisse die Flurtür mit dem drehbaren Messing-Klingelknopf! So etwas gibt es heute nicht mehr.

 

An die großflächig verlegten Bodenfliesen im anthrazit/grauen Karomuster kann ich mich noch gut erinnern, denn sie mussten jede Woche geschrubbt oder gefeudelt werden, Wer kennt heute noch den Schrubber samt Feudel? Andächtig streicht man über das glatte, gedrechselte Treppengeländer aus Holz mit dem runden Endknauf, freundlich wie die Treppe in hellgrau/hellblau gehalten. Zur ersten Etage ging es damals auf Linoleum hoch, gelackt und glänzend schimmernd. Blumen auf beiden Fens-tersimsen vermisse ich. Der ehemalige Abstellraum nennt sich heute Küche, es riecht nach Kaffee, ein Toilettenraum ist nebenan entstanden, alles andere sind Büros. Weiter geht es die Treppe hoch. Die nächste Etage ist menschen- und fast möbelleer. Gerümpel stapelt sich überall. Nutzung der Räume ausgeschlossen, heißt es, hier hat der Brandschutz das Sagen! Neue und größere Fenster sind im Dach zusätzlich eingelassen. Wozu, wenn Rausgucker fehlen? Meine Güte, sogar alte Tapeten, deren Muster man erinnert, kleben an den Wänden: Efeulaub, rote Streifen, Küchenmotive! Eine Entkernung hat sich vollzogen, zwei Wände wurden freigelegt, stützende Balken geben den Blick frei, erweitern großzügig die Räume.

 

Ein alter Abstellraum dient heute mit angehäuften Dingen, aus welchem Bestand auch immer, als Rumpelkammer. Wem gehörte der riesige hölzerne Vogelkäfig? Einen Papagei gab’s doch nicht! Die Treppe zum Dachboden liegt seitlich an der Wand, die Bodentür ist verschlossen. Zu schade, keine Chance zum Aufstieg und Kieken, also auch kein Abenteuer! Früher konnte man dort oben in alten Kisten und Sachen stöbern. Man durfte sich nur nicht erwischen lassen, nur auf die Balken treten, um nicht durch den sandigen Deckenboden nach unten zu fallen. Für uns Kinder zu gefährlich und strengstens verboten, hieß es. Aber wie man weiß, schmecken verbotene Früchte am besten, oder?

 

Aus den Fenstern im damaligen Kinder- und Wohnzimmer blickt man direkt auf den alten Eulenturm. Die Kohlenhandlung von Lilo Bögelsack ist wie die kleine Laube im Garten gegenüber einem Parkplatz gewichen. Neben dem Fenster zum Hof führt eine steile Treppe in die Kellerräume, in denen früher die Briketts gestapelt lagen, die die Händlerin aus der Nachbarschaft gebracht hatte. Heute sind die Räume verschlossen, im Gebäude sind Kohleöfen einer modernen Heizung gewichen. Der Hof hinter dem Haus sieht winzig aus. Bei dem wenigen Platz muss es ein Kunststück gewesen sein, Federball zu spielen. Überwuchert sind die kleinen Blumenbeete, unter denen der eine oder andere Goldhamster seine letzte Ruhe gefunden hat. Stallgebäude, Plumpsklo, Waschhaus, alles wurde dem Erdboden gleichgemacht und ein Gang ähnlich einer Schaaptwete zum Nachbargrundstück hin geschaffen. Die an der Rückseite des Fachwerkhauses damals wachsenden Weintrauben, Rebensorte unbekannt, allerdings klein und meistens säuerlich schmeckend - sauer macht bekanntlich lustig - passten nicht mehr zur Nachnutzung als Bürogebäude.

 

Die meisten von uns werden irgendwann aus dem so genannten Paradies der Kindheit vertrieben, freiwillig oder mit sanftem Druck, um eigene Familien zu gründen. So ist der Lauf der Dinge. Später dürfen sie sich, wie ich, glücklich schätzen, die Erinnerung an das damalige Zuhause aufzufrischen. Fünfzig bis sechzig Jahre fühlt man sich beim Betreten der ersten Stufen zurückversetzt und wundert sich. Wie trügerisch doch das Gedächtnis sein kann! Trotzdem, es ist eine sich lohnende Zeitreise in die Vergangenheit, ernüchternd und spannend zugleich!

 

Quelle: "Spurensuche"

 

 

 

 

 

 

Rentnerdasein

(Liedtext zu “When I get older“)

 

 

Wir sind die Rentner, immer gut drauf,

uns haut nichts mehr um,

haben Spaß am Sport und lieben die Musik,

reisen ständig in der Welt rum.

 

Wenn jemand sagt, das lasst lieber sein,

ihr seid doch zu alt,

lachen wir lauthals aus voller Kehle,

dass es nur so schallt.

 

Unsere Herzen schlagen wie wild,

kennen keine Ruh,

jeden Tag ’ne Feier, abends Disco-Fox,

wir sind fitter als ein Turnschuh.

 

 

Das Glas erhebt und stoßt mit uns an!

Wenn Sektkorken knallt,

lachen wir lauthals aus voller Kehle,

dass es nur so schallt.

 

Alles, was gut tut, wissen wir längst,

haben es studiert,

Internet genutzt, gegoogelt und gemailt

uns gebildet und informiert.

 

Habt ihr noch Fragen? Dann nutzt die Zeit.

Solang wir nicht kalt,

lachen wir lauthals aus voller Kehle,

dass es nur so schallt.

 

Quelle: "Bunt gemischt"

 

 

 

 

 

 

Rudeln

 

 

Wollen wir mal rudeln? Nein, es ist kein Schreibfehler, nicht radeln oder rodeln, sondern muskelkater-frei rudeln, eine Gruppe bilden, uns treffen, um gemeinsam zu singen, ohne damit gleich eine Ver-pflichtung einzugehen. Das ist zurzeit in, boomt, ist sozusagen der letzte Schrei! Mitsingkonzerte finden in Deutschland seit ein paar Jahren statt, als ein Format, das sich immer größerer Beliebtheit erfreut. Schlager und Gassenhauer gehören zu dem Repertoire, das zum Rudelsingen animiert. Auf einer Homepage können vorab massentauglich singbare Lieder gewünscht werden. Der Veranstalter projiziert Texte an eine Wand, jeder kann ohne Notenkenntnisse einfache Melodien mitsingen, selbst schräge Töne stören nicht. Man kennt sich untereinander ja nicht und geht anschließend wieder ei-gene Wege, nachdem ausgetrocknete Stimmbänder eventuell kurz durch einen kleinen Schluck geölt wurden. Um die zehn Euro kostet der Eintritt für zwei Stunden Spaß, denn Veranstalter, die diese Marktlücke geschickt erkannt haben, wollen schließlich auch leben. Angeblich lohnt sich das Rudel-singen, um sich im Alltagsstress eine Auszeit zu gönnen. Schweres fällt ab, man fühlt sich danach wohl wie nach einem erfrischenden morgendlichen Bad im See, berichten Teilnehmer.

 

Rudelsingen ist ein Jetztzeit-Format und entspricht dem Zeitgeist, es hat etwas Unverbindliches, engt nicht ein und fesselt nicht an einen Verein für eine gewisse Dauer mit bestimmtem Zweck und Ziel, kurzum, es vereinfacht das Leben. Man darf kommen und gehen wie und wann man will, ohne sich für’s Fehlen entschuldigen zu müssen.

 

Geborgenheit in der Gruppe für eine kurze Dauer zu finden, reicht anscheinend den meisten Rudel-sängern, es ist hauptsächlich ein weibliches Publikum, aus. Mehr braucht es nicht. Es passt zu einer Spaßgesellschaft, die um sich selbst kreist und das ´Sichfeiern` liebt. Hobbysänger übernehmen keine Verantwortung als Vereinsmitglieder, Ehrenämter bleiben daher unbesetzt. Und das in einem Land, dem man bisher eine hohe Vereinsdichte nachsagte. Alles hat seine Zeit und nichts bleibt wie es ist. Rudelsänger sind für das langsame Sterben von Chören mitverantwortlich! Traurig, aber wahr!

 

Quelle: Neues Buch

 

 

 

 

 

 

Test

 

Willst Du einen Mann ergründen,

achte drauf, wie er was macht,

wie er mit den Eiern umgeht,

brutal oder mit Bedacht.

 

Ist das Hühnerei gekocht,

abgeschreckt, bereit zum Essen,

kann man einen Henkertyp

rasch erkennen - dann vergessen.

 

Rücksichtslos schlägt er mit Messer

dem Ei seine Spitze weg,

um den Inhalt zu vertilgen!

Mittel heiligen den Zweck?

 

Der Bedächtige klopft leise

auf den runden Eierkopf,

öffnet die kaputte Schale

und entpellt den Rest dann noch.

 

Der Erste zur Gewalttat neigt,

ist ein schwieriger Typ,

der Zweite schenkt Geborgenheit,

hat Dich gefühlvoll lieb!

 

Quelle: Neues Buch

 

 

 

 

 

 

Zettelwirtschaft

 

 

Wer schreibt, bleibt im Gedächtnis anderer haften und verbessert zudem seine eigene Hirnleistung. Wie kann man sich Dinge merken, die man unbedingt erinnern will? Gehörtes geht oft in ein Ohr rein und durch das andere wieder raus. Das Gehirn hat kaum die Möglichkeit, Gehörtes oder Gesehenes langfristig zu speichern, im Kurzzeitgedächtnis wird es schnell wieder entsorgt, um Platz für Neues zu schaffen, es sei denn, man wiederholt es  des Öfteren. Wie kann man dem Vergessen gegensteuern? Indem man sich Notizen als Gedankenstütze macht. Wer auf kleine Schmierzettel zurückgreift, kann sich danach besser erinnern. Wer wie ich Stenografie beherrscht, ist besonders flink im Notieren der Kurzschrift. Das so an Wissen Gespeicherte ist jederzeit abrufbar. Ein Notizbuch, wie es das Univer-salgenie Leonardo da Vinci am Hosengürtel getragen haben soll, mag für ihn angemessen gewesen sein, für Ottilie Normalverbraucherin reichen Zettel und Stift in der Tasche völlig aus. Auch nachts, wenn die Gedanken zirkulieren, sind Merkhilfen auf dem Nachttisch anzuraten. Sonst sind Einfälle am nächsten Morgen weg, vergleichbar Nebelschwaden, die bei Tagesanbruch verschwunden sind.

 

Wer Einkäufe erledigen muss, ist ebenfalls mit einem Zettel gut bedient, der dabei hilft, Geld zu spa-ren, denn Spontankäufe fallen eher aus. Man konzentriert sich auf das Wesentliche, auf das, was dringend benötigt wird. Gedanklich lassen sich sogar die Wege im Laden vorher abgehen, Kreative überlegen sich dabei sogar eine kleine Geschichte. Was zu tun ist, bevor man sich zum Beispiel auf Reisen begibt, notiere ich vorab in einer To-do-Liste, die nach und nach abgearbeitet und nach Erledi-gung durchgestrichen wird. Kleine schriftliche Botschaften für Familienmitglieder helfen ebenfalls, den Alltag gut zu meistern. Wer freut sich nicht über nette Grußworte beim Nachhausekommen in die leere Wohnung. Aus eigener Erfahrung wissen Sie das ja bereits! Wer als Firmengruppe das so genannte Brainwriting betreibt, um kreative Lösungen für nicht nur hausinterne Probleme zu finden, ist von den Ergebnissen überrascht.

 

Wer handschriftlich anstatt digital das Hirn trainiert, setzt sich intensiver mit dem Notierten auseinan-der und ist in der Lage, es mit eigenen Worten zu beschreiben und auszudrücken. Ein Versuch lohnt sich garantiert! Wer hingegen einen Denkzettel verpasst bekommt, und das muss nicht unbedingt schriftlich sein, hat es bestimmt verdient, oder? Ob in Zeiten digitaler Techniken Notizzettel ganz ver-schwinden, bleibt abzuwarten. Schade wär’s! Jedes meiner Bücher fing einmal als kleine Notiz, von Hand mit Füllfederhalter auf weißem Blatt Papier geschrieben, an. Dass ich mich dabei nicht verzettelt habe, lag vermutlich am Ordnungssinn!

 

Quelle: Neues Buch

 

 

 

 

 

 

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© Annelie Borstelmann